Landsknechte heute:Putins Wagner-Truppe

Landsknechte heute:Putins Wagner-Truppe


Man nennt sie einfach „die Wagners“. Hinter dieser so harmlos klingenden Bezeichnung verbirgt sich ein Söldnerheer, das sein Initiator und Chef Wladimir Putin einsetzt - um seine Ziele ohne direktes russisches Eingreifen weltweit durchzusetzen

Landsknechte heute:Putins Wagner-Truppe

Von Wolfgang Will

Dafür sind diese Einheiten besser und mit moderneren Waffen ausgerüstet als die  russische Armee. Zudem werden die Wagners besser entlohnt und behandelt, so dass auch ihr Engagement und ihr Kampfgeist um ein Vielfaches höher ist.

 

Westliche Geheimdienste schätzen, dass es etwa 3 000 bis 4 000 Wagner-Söldlinge gibt. Sie werden bevorzugt in Kompaniestärke, also maximal 250 Mann, oder als Kommandotrupps aktiv. Sie waren zunächst in Syrien im Einsatz, wo sie ihrer Brutalität wegen Angst und Schrecken verbreiteten. Derzeit sind sie im mittleren Osten zu finden, vor allem aber in Afrika, wo sie in einem Dutzend Staaten ausgemacht wurden. Mal unterstützen  sie die Regierungsseite, mal kämpfen sie mit deren Gegnern, also den Rebellen – wo Putin gerade Einfluss erringen will. Seit März 2022 kämpft ein größeres Wagner-Kontingent auch in der Ukraine. Dem Bundesnachrichtendienst gelang es, entsprechende Videoaufnahmen und Funksprüche zu sichern. Daraus geht hervor, dass die Wagners Kriegsverbrechen, darunter Folter und Hinrichtungen, begangen haben.

 

Die Truppe dWagner gibt es seit 2013. Damals schied Oberstleutnant Dimitrij  Utkin aus dem regulären russischen Heer aus und gründete  mit Geldern des Oligarchen und Putin-Vertrauten Jewgeni Prigoschin  die „Gruppa Wagnera“. Die Erklärung für diesen Namen: Utkin soll ein Bewunderer Hitlers und dessen „3.Reich“ gewesen sein. Und genau wie Hitler liebte Utkin den deutschen Komponisten Richard Wagner. Deshalb  nannte er seine Truppe „Wagnera“ – übrigens soll er sich in Syrien den „Kampfnamen Wagner“ zugelegt haben.

 

Ursprünglich rekrutierte Utkin nur Reservisten der russischen Streitkräfte. Ihm schwebte aber ein Privatheer nach dem Vorbild der mittelalterlichen Landsknechte vor, das er auch mit Angehörigen anderer Nationen „bestücken“ kann. Seine Truppe sollte aus Experten bestehen, die es „jederzeit mit Jedermann“ – so Utkin – aufnehmen kann. Das ist ihm offensichtlich gelungen. Jüngsten Geheimdiensterkenntnissen zufolge rekrutiert Utkin neue „Wagnera“ auch in russischen Gefängnissen. Laut BBC werden diese von den Ex-Soldaten in der Truppe als „Gesindel“ bezeichnet.Ihnen wird ein Sold von monatlich 100 000 Rubel gezahlt (etwa 1 000 US-Dollar).

 

Nach Landsknechtsart dürfen die Offiziere der Truppe auch ihre Familien im Tross unterbringen. Das, so ein hoher US-Offizier in Heidelberg, der als Wagner-Analyst gilt, das also „stärkt die Moral“. Die wiederum soll auch deshalb höher sein als in der russischen Armee, weil die Wagners straffrei plündern dürfen.

 

Im Grunde genommen steht die Wagner-Truppe unter dem alleinigen Befehl Putins. Er dürfte sie mehr und mehr einsetzen, denn sie ist erfolgversprechender als die russischen Streitkräfte.

 

Wolfgang Will arbeite jahrelang als Auslandskorrospodent für den Axel-Springer-Verlag und als Chefredakteur u.a. in New York


Autor: Wolfgang Will
Bild Quelle: Archiv


Montag, 07 November 2022

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